Das lokale Internet:
Bald auch eine Killerapplikation für Musik?

Andreas Göldi, 8. Juli 2005 15:06 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Für die grossen Suchmaschinenfirmen ist im Moment offensichtlich die Erschliessung der lokalen Märkte die grösste Priorität. Google, Yahoo und Microsoft haben lokal einschränkbare Suchdienste (oft noch auf USA beschränkt) vorgestellt, und der Ausbau von geographisch orientierten Features schreitet enorm schnell voran. Am extremsten ist derzeit Google mit Google Maps und Google Earth, zu dem sich innert weniger Tage ein ganzes Ökosystem an Sekundäranbietern aller möglichen Informationsdienste herausgebildet hat. Didier Durand hat auf seinem Blog einige der spannendsten Beispiele gesammelt.

Ein interessanter Artikel auf Motley Fool (wusste gar nicht, dass es die noch gibt) stellt eine überraschende, aber eigentlich plausible Theorie auf: Die universelle Verfügbarkeit solcher lokaler Information und die intensive Benutzung dieser Dienste könnte dazu führen, dass auch der Musikmarkt plötzlich einen viel stärker regionalen Charakter erhält.

Wenn ich die Musik der Bands aus meiner eigenen Stadt plötzlich gleich problemlos finden und erwerben kann (nämlich über Online-Dienste) wie die Machwerke der globalen Stars, interessiere ich mich vielleicht plötzlich mehr für Künstler aus der Region.

Warum soll mir beispielsweise Google Earth in der dreidimensionalen Stadtkarte nur Restaurants, Geldautomaten und dergleichen anzeigen? Kulturelle Events sind mindestens so interessant, bis runter vielleicht sogar zum geocodierten Probekeller der Band um die Ecke. Und praktischerweise könnte man sich im gleichen Interface auch noch anhören, was für eine Musikrichtung einen da erwartet und bei Gefallen gleich den Titel online kaufen. Am Schluss könnte das dazu führen, dass anders als heute nicht ein paar wenige Bands Millionen von Platten verkaufen, sondern Millionen von Bands je ein paar hundert Stück.

Eine Prognose also, die durchaus konsistent ist mit anderen gerade hippen Theorien, z.B. dem langsam etwas überstrapazierten Long Tail. Die kühne Schlussfolgerung des Motley-Fool-Kolumnisten jedenfalls lautet: Die grossen Musikfirmen der Zukunft werden nicht die heutigen Plattenfirmen sein und nicht mal Apple, sondern Google, Yahoo und Microsoft, weil die eben lokale Suchdienste kontrollieren.

Nun, wir werden sehen. Am Schluss ist das ganze vermutlich wie immer etwas komplexer. Aber der Gedanke, dass diese Fülle von lokal verfügbarer Information mehr Bereiche beeinflussen wird als nur die Art und Weise, wie man am schnellsten die nächste Pizzeria findet, ist sicher richtig und wird in ihren Auswirkungen wohl noch immer unterschätzt.

(Nebenbei erwähnt: Manche Leute haben schon vor 10 Jahren behauptet, dass der lokale Aspekt des Internets mal sehr interessant sein wird. Aber man kann halt auch zu früh dran sein…)

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