Stand der Dinge beim Tablet-PC — Teil 3:
Die Software
Mal abgesehen von der zusätzlichen Mobilität, die ein Tablet-PC ermöglicht, vor allem in der tastaturlosen “Slate”-Fassung, werden durch so einen Form-Factor natürlich auch neue Anwendungen möglich. Viele Spezialprogramme für Tablets existieren für sogenannte “vertikale Anwendungen”. Das hat nichts mit Lift-Steuerung zu tun, sondern meistens eher etwas mit elektronischen Formularen für spezifische Tätigkeiten, zum Beispiel Versicherungsvertreter oder Ärzte. Interessant sind aber auch ein paar weitergehende Dinge, die - dem Thema dieses Blogs entsprechend - natürlich auch einen Konvergenz-Aspekt haben.
Was bekommt man zum Beispiel, wenn man einen Notizblock mit einem PC kreuzt? Eine Anwendung wie
microsoft.com/onenote”>Microsoft OneNote
OneNote schafft da Abhilfe: Notizen die man per Stift oder auch per Tastatur erfasst, lassen sich übersichtlich ablegen und per Volltext-Suche schnell wiederfinden. Mit cleveren Funktionen lassen sich Aufgaben und andere wichtige Punkte markieren und effizient bündeln. Und vor allem nützlich: Man hat seine Notizen immer auf dem Tablet mit dabei, auch wenn es sich um tausende von Seiten handelt. Auch wenn das Notieren auf der Bildschirmoberfläche des Tablets anfangs gewöhnungsbedürftig ist, lernt man schnell den zusätzlichen Komfort schätzen: Etwas vergessen bei einem bestimmten Diskussionspunkt? Einfach ein Icon klicken, und schon öffnet sich an einer beliebigen Stelle auf der Seite zusätzlicher Platz für Ergänzungen. Das kann ein Blatt Papier garantiert nicht.
Viele Leute organisieren ihre Gedanken gern mit Mindmaps. Neben der traditionellen Verwendung von Papier hierfür haben sich in letzter Zeit auch immer mehr Softwarelösungen für Mindmapping durchgesetzt. Eine der populärsten Anwendungen, MindManager der deutschen Firma Mindjet, unterstützt in der jüngsten Version auch Tablets. Damit bekommt man das Beste aus beiden Welten beim Mindmappen: Kreatives Kritzeln mit dem Stift, aber auch strukturierte Aufbereitung mit Tastatur und Maus. Die handschriftlich erfassten Zweige lassen sich auch nachträglich noch in Druckschrift umwandeln, so dass auch aus wilden Kreativsessions schön saubere Maps resultieren.
Auch interessant wird es dort, wo das Tablet zusätzlichen Zugang zu Medieninhalten eröffnet. Als eBook- Reader ist ein Tablet, mal abgesehen vom Gewicht, ziemlich ideal. Die Schriftqualität ist bemerkenswert, und mit den modernen Displays ist eBook-Lesen am Strand auch keine Unmöglichkeit mehr (aber zumindest die Badewanne bleibt wohl noch einige Zeit dem papierbasierten Buch vorbehalten). Klar, Bücher auf dem Bildschirm zu lesen, ist nicht gleich komfortabel wie die gute alte Papier-Variante, aber dafür hat man immer potentiell hunderte von Büchern dabei.
Das gleiche gilt inzwischen auch für Zeitschriften: Die Firma Zinio bietet eine recht breite Auswahl an englischsprachigen Titeln an, die man online zu sehr attraktiven Preisen abonnieren kann. Wiedergegeben werden die Zeitschriften im Original-Layout, samt Werbung, aber ergänzt um Hyperlinks. Mit der 1:1-Wiedergabe des Mediums Zeitschrift hat man es aber etwas übertrieben: Auf die digitale Blätter-Animation könnte ich wirklich gut verzichten.
Überhaupt ist das so eine Suche mit dem digitalen Nachahmen papierbasierter Dinge: Der FranklinCovey TabletPlanner zum Beispiel emuliert eine Papier-Agenda fast perfekt- leider auch mit einigen Nachteilen des Originals wie z.B. einer fixen Seitengrösse. Andere machen das etwas besser: Grafikspezialist Alias Wavefront bietet zum Beispiel mit SketchBook Pro eine clever gemachte Skizzenblock-Applikation an, die sich inzwischen bei künstlerisch ausgerichteten Tablet-Usern grosser Beliebtheit erfreut.
Fazit: Die Software für Tablet-PCs ist in den letzten Jahren deutlich gereift und liegt jetzt typischerweise etwa in der dritten Generation vor — meistens ja die Nützlichkeitsschwelle für neue Produkte. Trotzdem bleibt noch viel Arbeit für die Entwickler: Falls (und damit) sich der Tablet-PC nachhaltig durchsetzen kann, müssen die Anwendungen schon etwas weiter gehen als nur bis zur Emulation von Papier. Im Moment sind wir grösstenteils noch im “Horseless Carriage”-Stadium: Man kann die neue Technologie schon einsetzen, aber definiert sie noch in alten Kategorien und beschränkt damit ihren Nutzen.
» Nächster Artikel: Medienbudget: Digitale Medien bereits deutlich am wichtigsten
» Älterer Artikel: Stand der Dinge beim Tablet-PC — Teil 2: Das Gerät
» Drucken
» Merken/E-Mail

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com




Beiträge per RSS
blogwerk.com
Einen Kommentar schreiben