Internet und Medienindustrie – Effizienzturbo und/oder Jobkiller?

Andreas Göldi, 28. April 2005 19:27 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Zur Feier der gerade laufenden Quartalszahlensaison ein paar Zahlenspiele: Wir vergleichen Time Warner (weltgrösster klassischer Medienkonzern) mit Yahoo (weltgrösster Internet-Only-Medienkonzern, wenn man das so nennen will). Beide sind tatsächlich vergleichbar: global aktiv, bieten Entertainment, News und diverse Kommunikationsservices an, haben Produkte für viele lokale Märkte in vielen lokalen Sprachen. Beide werden von erfahrenen Managern Ende 50 geleitet. Beides sind profitable Unternehmen, die ein solides Wachstum aufweisen.

Ein Blick auf die Zahlen (Jahr 2004): Time Warner macht $42 Mia. Umsatz, $3.2 Mia. Gewinn (=8% Umsatzmarge) und beschäftigt 84′900 Angestellte. Yahoo macht $3.6 Mia. Umsatz, 839 Mio. Gewinn (=23% Umsatzmarge) und hat 7′600 Angestellte. Zahlenmässig ist Yahoo ein Zwerg, aber von seiner Bedeutung her nicht.

Und: Ein Yahoo-Mitarbeiter generiert dreimal mehr Gewinn als ein Angestellter von Time Warner. Auch der Return on Equity beträgt das dreifache.

Noch deutlicher wird es, wenn wir Google zum Verleich hinzufügen, letztlich auch eine Art von Medienunternehmen, wenn auch ein sehr technologielastiges: $3.2 Mia Umsatz, $399 Mio Gewinn, hat 3000 Mitarbeiter. Jeder Mitarbeiter fährt $133′000 Gewinn ein. Das dreieinhalbfache von Time Warner. Oh, und der Return on Equity liegt sechsmal höher als beim klassischen Medienkonzern.

Von der Börsenbewertung wollen wir mal abstrahieren, das ist ja sehr veränderlich. Trotzdem sei erwähnt, dass Yahoo 61% und Google 77% des Unternehmenswerts der vielfach grösseren Time Warner aufweisen.

Was wollen uns diese Zahlen sagen?

Erstens: Das Internet-Geschäft ist grössenmässig sehr viel kleiner, aber dafür viel profitabler. Zweitens: Für einen globalen Medienkonzern vergleichbarer Bedeutung wird im Internet-Business weniger als ein Zehntel des Personals gebraucht. Leider kriegt man keine genauen Kosten für Personalausgaben, aber man kann wohl ruhig davon ausgehen, dass die Mitarbeiter bei Yahoo im Durchschnitt wesentlich besser verdienen als bei Time Warner. Drittens: Innovation entscheidet. Yahoo gibt einen Zehntel seines Umsatzes für Research & Development aus, bei Time Warner taucht dieser Ausgabeposten gar nicht erst gesondert auf.

Nicht notwendigerweise die beste Nachricht für Medienschaffende: Im Zeitalter der Digitalisierung werden viel weniger, dafür viel qualifiziertere Leute gebraucht.

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