Google und der lokale Markt:
Wo sind die Grenzen?
Unzweifelhaft ist Google die ausgereifteste Informationsmaschine, die der Menschheit derzeit zur Verfügung steht. Neben der normalen Web-Suche hat Google in den letzten Monaten Feature um Feature eingebaut, um sich im täglichen Leben seiner User nützlicher zu machen: Fahrpläne, News, Desktop-Suche usw. kennen die meisten vermutlich schon.
In den USA kommt nun immer mehr der lokale Aspekt zum Tragen: Neuerdings bietet Google lokale Suchmöglichkeiten nach Firmen à la gelbe Seiten, Landkarten und Kinoprogramme. Kein Wunder, denn der lokale Werbemarkt bietet noch viel Wachstumspotential. Man weiss aus Studien, dass das typische Pay-per-Click-Modell der Google-Werbung sogar bessere Ergebnisse erzielt, wenn es mit einer klaren Ortseingabe eingeschränkt wird. Beispielsweise zahlen laut AIM Group die Kunden für einen Klick auf “Baltimore lawyer” zehnmal mehr als nur für “lawyer”. Logisch eigentlich, und potentiell ein Riesengeschäft.
Doch mit dieser Strategie steht Google nicht alleine da. Yahoo bietet neuerdings lokale Suche auch im deutschsprachigen Markt. MSN Search hat gerade einen “Search Near Me”-Button eingeführt. Und sogar die Amazon-Searchengine A9 bietet inzwischen lokale Firmenverzeichnisse an, die sich mit einem äusserst coolen Strassenbild-Feature abheben.
Vor dem Hintergrund dieses Konkurrenzkampfs im lokalen Online-Markt scheint den Google-Kollegen nun etwas die Phantasie durchgegangen zu sein. Die neue Beta-Version des Google-Toolbars bietet nämlich ein “Autolink”-Feature, das automatisch in Webseiten die gefundenen lokalen Adressen mit Google Maps verlinkt. Da hört der Spass auf, sagen viele. Und damit haben sie wohl recht. Eine Webpage gegen den Willen des Urhebers “anzureichern”, und das zu offensichtlich kommerziellen Zwecken, überschreitet wohl schon eine klare Grenze. Microsoft hatte auch mal solche Pläne und stiess auf heftige Gegenwehr. Dass Google damit durchkommt, ist trotz “Don’t be evil”-Rhetorik zum Glück unwahrscheinlich.
Interessant wird jetzt natürlich die Frage, was die bisher dominierenden regionalen Medienhäuser, speziell die Zeitungsverleger, diesen Aktivitäten globaler Internet-Riesen entgegenzusetzen haben. Da dürften wir demnächst noch ein paar spannende Konkurrenzkämpfe mit ziemlich ungleich langen Spiessen erleben.
(Eine kleine Fussnote: Dass jetzt der lokale Aspekt des Internet plötzlich so gehyped und mit viel Investitionsgeld beworfen wird, ist für mich persönlich irgendwie eigenartig. Meine Internet-Karriere habe ich nämlich in grauer Vorzeit mit der lokalen Plattform “Electronic Mall Bodensee” begonnen, die bis heute, wenn auch in veränderter Form, überlebt hat. Tja, war ne gute Idee, aber leider 10 Jahre zu früh.)
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