Literatur zum Niedergang der Musikindustrie
Arme kleine Musikindustrie. Die Umsätze bröckeln weiter an allen Fronten ab. Die Branche ist das bisher prominenteste Opfer der digitalen Konvergenz. Und von dem übriggebliebenen Zukunftspotential im Online-Markt schneiden sich auch noch branchenfremde Schurken ein ordentliches Stück ab.
Wie konnte es nur so weit kommen? Wer das wissen will, sollte zwei aktuelle Bücher nicht verpassen.
Tim Renner, Ex-Deutschlandchef von Universal Music, gibt einen Insiderbericht in seinem Buch mit dem aufbauenden Titel «Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm« ab (Danke an
namics.com/pre_kon.asp”>Claudio
Bedauerlich für selbige. Wer hätte das gedacht, damals, als «Content is King« der Slogan in aller Munde war? Gerade diesen Content-Firmen hätte man eigentlich die glorreichste Zukunft zugetraut. Aber offensichtlich haben die Musikkonzerne (fast) alles falsch gemacht, als das Internet plötzlich ihre Stellung bedroht hat. Wer sich je mit den frühen Formen kommerzieller Download-Services herumgeärgert hat, konnte sich nur wundern, wie ein geistig halbwegs gesunder Mensch auf solche Konzepte kommen konnte.
Was steckt hinter diesem Versagen? Dummheit? Ignoranz? Hat man den Trend einfach verschlafen? Nein, sagt Renner, bei den Plattenfirmen hat man schon lange vor dem Internet-Hype erkannt, dass dereinst Musikdownloads wichtig sein würden. Aber man hat es nicht geschafft, daraus brauchbare Produkte und ein vernünftiges Businessmodell zu erzeugen.
Warum das so ist, und warum so etwas in allen Branchen immer wieder passiert, kann man – etwas abstrahiert – in Clayton Christensens neuem Werk «The Innovator’s Solution« nachlesen. Der Vorgänger «The Innovator’s Dilemma« war zu recht eines der erfolgreichsten Business-Bücher der letzten Jahre. Diesmal beschreibt Christensen noch genauer das Phänomen: gut geführte Firmen, die sehenden Auges ins Verderben rennen, das sie in Form einer neuen Innovationswelle heimsucht.
Das Problem: Es ist sehr schwierig für eine Firma, plötzlich in einem ganz anders funktionierenden Geschäft mitzumachen, während gleichzeitig noch der weit überwiegende Teil des Umsatzes im traditionellen Business erzielt wird. Tolle Strategiepapiere hin oder her, spätestens bei den täglichen Entscheidungen jedes Mitarbeiters bekommt das traditionelle Geschäft im Zweifelsfall die Priorität, denn davon lebt man schliesslich (noch).
Was man dagegen tun kann? Darauf gibt es keine einfache Antwort, und vor allem keine angenehme. Im Prinzip muss das Management den Mut haben, neue Geschäftseinheiten mit ganz neuen Rezepten aufzubauen, auch auf die Gefahr hin, dass die alten Unternehmensteile dadurch direkt konkurrenziert werden und ziemlich bald ganz absterben. Und das hat die Musikbranche nicht getan – mit offensichtlichen Folgen.













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