Carly Fiorina:
Wegkonvergiert

Eine nicht ganz unbedeutende Personalmeldung aus der IT-Branche: Carly Fiorina, bisher Chefin von Hewlett-Packard, verlässt das Unternehmen per sofort.

Zunächst mal ist es sehr bedauerlich, dass eine der ganz wenigen Frauen an der Spitze eines Grosskonzerns quasi unehrenhaft entlassen wird. Der Sache der Frauen in der Wirtschaft wird das nicht gerade gut tun. Dass Carly zwar mit fast sechs Jahren länger an der Spitze von HP stand als heutzutage der (meist männliche) Durchschnitts-CEO mit seinen vier Jahren, wird da natürlich sofort vergessen.

Zurück bleibt wohl vor allem, dass es «die Fiorina« nicht geschafft hat.

Interessant ist aber vor allem, woran sie wohl scheiterte: An einer zu ehrgeizigen Vision eines integrierten (Konvergenz-)Konzerns, der IT-Lösungen genauso wie Unterhaltungselektronik und Kommunikationsequipment anbietet. So eine Vision zu realisieren, dauert halt nun mal lange, und in Zeiten des ungeduldigen Kapitalmarktes war das wohl deutlich zu lange.

Eigentlich bietet HP ja alles an, was man so brauchen würde: u.a. schöne PCs, prima Kameras, legendäre Drucker, Netzwerkequipment und neuerdings sogar MP3-Player und LCD-Fernseher. Wohl kaum ein anderer Konzern hat eine so breite Palette an Produkten. Aber leider wirkt auch bei keinem anderen die Produktpalette so verzettelt und konzeptlos. Ein guter alter Ingenieurs-Brand wie HP kann vielleicht noch Drucker abdecken, aber bei Home-Entertainment-Systemen wird die Branding-Luft dann definitiv dünn – erst recht, wenn man gleichzeitig auch noch IBM im IT-Services-Bereich konkurrenzieren will.

Verglichen mit den klaren Ausrichtungen von Dell (pragmatisch, gut und billig) und Apple (teuer, aber schön) sowie IBM (CIO’s Freund) war das zu viel des Guten. Alle konvergierenden Strömungen in einem einzigen Unternehmen zu vereinen, wird wohl ein Traum bleiben.

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