Das staatliche Fernsehen und das Internet - Dürfen die das?

Andreas Göldi, 7. Februar 2005 12:07 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Es gibt Probleme, die hätte man ohne diese lästige Medienkonvergenz gar nicht erst. Die Neue Zürcher Zeitung regt sich in ihrer Samstagsausgabe in einem Leitartikel fürchterlich darüber auf, dass das Schweizer Fernsehen neuerdings das Ziel verfolgt, das grösste News-Portal der Schweiz aufzubauen. Da sich die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) zu mehr als 2/3 aus Gebühren finanziert, sieht das die NZZ als unzulässige Konkurrenzierung der rein privatwirtschaftlich agierenden Firmen, insbesondere der Verleger.

Kurz gesagt: Da hat sie durchaus recht, die NZZ. Solange uns das Schweizer Fernsehen mit Flachsinn à la «Deal or No Deal« belästigt, wäre das Gebührengeld im Kernbereich deutlich besser investiert.

Was mich aber an diesem Artikel und am folgenden Interview mit SRG-Chef Walpen mehr erstaunt hat, sind zwei Dinge:

Erstens wird in dem ganzen Artikel wieder einmal kein einziges Mal die Frage gestellt, was denn der Kunde (Leser, User, etc.) eigentlich will oder braucht. Sind die Leute denn zufrieden mit dem existierenden Schweizer News-Angebot im Internet?

Wenn ich da mal von mir auf andere schliessen darf: Nein, sind sie nicht. Die meisten Verleger bieten auf ihren Zeitungswebsites eine schlechte Restenverwertung des Print-Produktes vom Vortag sowie tagsüber die überall erhältlichen Agentur-Newsticker ohne jede Aufbereitungsleistung. Die wenigen Ausnahmen (z.B. NZZ oder Tagesanzeiger) erreichen formell und inhaltlich bei weitem nicht die Qualität ausländischer Angebote wie z.B. Spiegel Online.

Aber leider ist es typisch, dass in der Schweizer Medienlandschaft vor allem gern, lange und heftig über Branchenpolitik und die Rolle des Staates gestritten wird. Die Befriedigung der Kundenbedürfnisse übernehmen inzwischen vermehrt ausländische Firmen, nicht nur im Internet.

Zweitens, wenn wir schon beim Staat-Bashing sind: Der Leitartikler verschweigt, dass der Staat im Internet schon lange die Privatwirtschaft an allen Ecken und Enden konkurrenziert. Beispielsweise gibt es mehrere staatliche Stellenbörsen, die faktisch direkt im Wettbewerb mit den privaten Jobplattformen stehen.

Viel schlimmer und viel offensichtlicher: Die immer noch mehrheitlich staatliche Swisscom, die dank ihres durch Steuergelder finanzierten Telefonnetzes zur dominierenden Kraft im hiesigen Internet geworden ist. Jetzt will sie auch noch Fernsehprogramme über dieses Netz verteilen und damit die (privaten) Kabelfernsehbetreiber konkurrenzieren. Das wäre ihr gutes Recht, wenn sie ein rein privatwirtschaftliches Unternehmen wäre, aber angesichts ihres Mehrheitsaktionärs wirft das doch so einige Fragen auf.

Ausserdem gehört der Swisscom mit Bluewin das dominierende nationale Internet-Portal. Die Nummer zwei, search.ch, gehört seit kurzem der noch staatlicheren Post. Mit anderen Worten: Der Staat konkurrenziert sich im Web selber! Er braucht gar keine Privatwirtschaft mehr. Wenn das mal nicht effizient ist…

Traurig: Während in anderen Nationen das Internet globale Konzerne und (inzwischen) riesige Werte geschaffen hat, dominiert hierzulande die öffentliche Hand das neue Medium.

Vielleicht wäre das ja auch mal ein Thema für die derzeit gerade so populären Sonntagsreden über die Wachstumsschwäche der Schweiz.

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