Mein Leben mit UMTS – Teil 1

UMTS. Die vier magischen Buchstaben des heissen Sommers 2000. In den Boardrooms der Telekommunikationsindustrie bricht die ungebremste Kaufwut aus. Es wird mit Milliarden geworfen, um sich ein Stück des digitalen Mobil-Nirvanas zu sichern. Mit vielen, vielen Milliarden. In der legendären UMTS-Lizenz-Auktion in Deutschland sackt der Staat fast 100 Mia D-Mark ein. Hinter vorgehaltener Hand flüstern einem Investmentbanker zu, dass sie auch nicht an dieses Zeug glauben. Aber die anderen machen auch mit, da will man nicht zurückstehen. Schon ein paar Monate später hat sich die Hysterie gelegt, die Auktion in der Schweiz erreicht nur noch den staatlichen Mindestpreis.

Mein persönliches Schlüsselerlebnis war, als <a href="http://www.

namics.com”>wir von einer der Telecom-Gesellschaften um kreative Unterstützung angefragt wurden. Man hatte sich gerade eine der teuren deutschen Lizenzen gekauft und fragte sich, was man denn jetzt damit anfangen könnte. Ob wir nicht ein paar Ideen hätten? Tragischerweise war das wirklich ernst gemeint.

Schnell waren ein paar Folien gemalt mit bunten Visionen von superschnellen Multimedia-Location-Based-Mobile-Commerce-Services. Frustrierend irgendwie, wie weit wir heute von diesen Ideen noch entfernt sind.

Aber nun ist UMTS Realität. Laut Swisscom wird schon ein überwiegender Teil des Landes abgedeckt. Die ersten Geräte sind im Laden, die ersten Services verfügbar. Zeit, die Wahnsinns-Technologie einem Test zu unterziehen.

Und tatsächlich. Man schaltet das neue Handy ein, und da leuchtet dieses rote 3G-Symbol in der Ecke. Da Handys (bisher) nicht lügen können, muss es also wirklich ein UMTS-Netz geben. Aber was kann man damit machen?

Die erste Enttäuschung lässt nicht lange auf sich warten. Ich probiere Vodafone live per UMTS aus. Die Wartezeit ist endlos, kein bisschen schneller als mit dem normalen Netz. Keine Ahnung, woran das liegt, aber WAP- und Web-Zugriff ist über den eingebauten Handy-Browser immer noch eine Qual. Und da leider die meisten anderen Dienste über diesen Weg abgerufen werden müssen, dämpft das die Freude doch erheblich. Schon etwas deprimierend, dass WAP in den letzten fünf Jahren so geringe Fortschritte gemacht hat, was die Benutzbarkeit angeht.

Etwas versöhnlicher stimmen die Ergebnisse der Daten-Tests. Eine Internet-Verbindung vom Laptop über das UMTS-Handy ist tatsächlich anständig schnell, subjektiv etwa wie eine ISDN-Leitung. Ein wirklicher Fortschritt. Und auch das Herunterladen von Ringtones, Java-Games und anderem Content funktioniert angenehm schnell. Das Netz scheint also doch echt und echt schnell zu sein.

Mehr Zweifel erregt hingegen die Qualität der Telefonie. Eigentlich müsste das ja der simpelste Dienst sein, aber leider bricht doch mal das eine oder andere Gespräch plötzlich ab. Das UMTS-Netz ist wohl noch nicht so dicht, wie es sein sollte. Zwar kann das Telefon jederzeit auf das gute alte GSM umschalten, aber das ist halt mit einem Unterbruch verbunden.

Mässige Begeisterung also nach dem ersten Test. Aber wie wird UMTS mit seinen tollen neuen Multimedia-Features abschneiden? Mehr bald auf diesem Kanal.