Das konvergente Handy im Januar 2005 — Teil 2

Was bisher geschah: UMTS-/Multimedia-Handy Sharp V902 gekauft. Ausgepackt.

So. Ein Handy, das offensichtlich den Anspruch erhebt, nicht nur MP3-Player, sondern mit seinen 2 Megapixeln auch noch gängige Digitalkameras zu konkurrenzieren. Das wollen wir ja mal sehen.

Erster Test: Musikwiedergabe. Ein paar MP3s sind schnell auf die SD-Karte gespielt, sofern man das richtige Verzeichnis findet. Leider kann das Handy nur Constant Bitrate abspielen, was schon mal einen Teil meiner selbst gerippten Sammlung unverwendbar macht.

Verdankenswerterweise liefert Sharp ein zweiteiliges Headset mit, so dass man die mitgelieferten Billig-Ohrstöpsel durch richtige Kopfhörer ersetzen kann.

Empfehlenswert in jeder Lebenslage sind übrigens die In-Ear-Hörer von Etymotic. Und damit kann das ehrgeizige Telefon durchaus überzeugen. Zwar würde ich den iPod klanglich noch etwas stärker einschätzen (wobei auch der keinen High-End-Preis gewinnt), aber für unterwegs reicht’s allemal. Mit eingeschaltetem Surround-Modus klingt Pop sehr zupackend, ruhigere Töne sollte man aber ohne Spezialeffekte wiedergeben.

OK, nicht schlecht. Wie sieht es nun aber mit den Kamerafunktionen aus? Kaum zu glauben, dass die Sharp-Ingenieure in diesem winzigen Package ein optisches Zoom und einen «echten« optischen Autofokus untergebracht haben. 2 Megapixel klingt vielversprechend, aber kann ein Telefon wirklich eine Digitalkamera ersetzen?

Ein typisches Bild aus dem Sharp V902: Auf den ersten Blick nicht schlecht, aber doch mit klaren Kompromissen bei der Schärfe.

Auf dem brillianten Display des Sharp mit seiner Auflösung von 320×240 Pixeln sehen die ersten Schnappschüsse sehr überzeugend aus. Enttäuschung dann aber nach dem Kopieren auf den PC: In den Ecken sind die Bilder deutlich unscharf, Kanten sehen arg flattrig aus, und bei wenig Licht wird das Bildrauschen sehr stark. Kein Vergleich zu meiner guten alten 2-Megapixel-Ixus. Ausserdem ist die Bedienung der Kamerafunktion arg fummelig. Der Autofokus braucht ewig zum Scharfstellen, und die Auslöseverzögerung ist auch reichlich lang.

Der Kameramodus hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Die Resultate sind zweifelsfrei besser als diejenigen jedes anderen Kamerahandys auf dem Markt, aber niemals eine echte Alternative zu einer Digitalkamera. Immerhin, das Kamerahandy als visueller Notizblock hat wieder einen Sprung nach vorne gemacht.

Die Videofunktion ist nett. Mit der Kamera gedrehte Videos erreichen durchaus eine Qualität, die man auch von neueren digitalen Fotokameras her kennt. Theoretisch könnte man auf dem Sharp V902 auch ganze Filme wiedergeben, wenn man sie vorher ins richtige Format (ASF MPEG4 in der richtigen Auflösung) codiert. Die entsprechenden Anleitungen im Netz sind aber nicht sehr ermutigend, für den normalen Konsumenten garantiert unbrauchbar. Wenn ich mal ein verregnetes Wochenende überstehen muss, werde ich das trotzdem ausprobieren.

Wie so viele Pionierprodukte wird auch dieses Konvergenz-Handy von diversen Mängeln in seiner Praxistauglichkeit limitiert. Trotzdem ist es beeindruckend, was man in einem einzigen kompakten Gerät heute alles an praktischen Funktionen unterbringen kann. Und mit noch etwas Feinschliff werden solche Geräte einen grossen Sprung für die Medienkonvergenz darstellen. Wir sind nahe dran, kein Zweifel.

Beim nächsten Mal: Was UMTS bringt. Und was alles nicht.

 

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